Geschichte der ZooBot

Geschichte der ZooBot

Die Zoologisch-Botanische Gesellschaft in Österreich („ZooBot“) wurde bereits 1851 unter dem Namen „Zoologisch-Botanischer Verein zu Wien“ gegründet und gilt damit als einer der ältesten noch existierenden Vereine Österreichs.

Die Gründungsversammlung wurde am 9. April 1851 im Museum des botanischen Gartens am Rennweg abgehalten, anwesend war neben dem wichtigen Mitbegründer Georg Frauenfeld auch eine große Zahl an Wissenschafter*innen und passionierten Laien.

In Zeiten, in denen höhere Bildung nur für (meist männliche) Mitglieder der Oberschicht zugänglich war, übernahm die ZooBot in den anschließenden Jahrzehnten viele Aufgaben, die heutzutage Schulen und Universitäten, aber auch ein Potpourri an Vereinen und Institutionen übernehmen – mit dem Ziel, Wissenschaft auch Menschen zugänglich zu machen, für die dies damals sonst weder üblich noch finanziell erschwinglich war:

So legte die ZooBot zu diesen Zeiten umfangreiche Herbarien an, die Schulen in der ganzen k.k.-Monarchie zur Verfügung gestellt wurden. Es wurde eine Unzahl an Vorträgen gehalten, die als Ergänzung des Lehrplanes für Studierende galten. Die Bibliothek wurde gegründet, Tauschpartner aus aller Welt mussten gefunden werden: Bei der Weltumsegelung mit der k.k. Fregatte Novara (1857-1859) konnten Partner für den Schriftentausch der Bibliothek sowie Mitglieder im Ausland gewonnen werden.

Schon früh erkannte die Gesellschaft die Bedeutung von Schutzgebieten und pachtete bzw. kaufte daher Halbtrockenrasen-Flächen auf dem Zeiserlberg in Niederösterreich, die bis heute in Gesellschaftsbesitz sind.

Crambe tartaria
Naturschutzgebiet Zeiserlberg mit 
Crambe tataria 
Quelle: Amt der NÖ-Landesregierung

Auch bemühte sich die ZooBot bereits damals um die Vernetzung von Wissenschafter*innen im ganzen Kaiserreich und darüber hinaus, insbesondere durch ihre zahlreichen Publikationen.

Die Schaffung von Fachsektionen (botanische, zoologische, paläontologische usw.) spiegelt die Differenzierung der Fachgebiete wider. Die besondere Stellung der Entomologie kommt durch die seit mehr als hundert Jahren bestehende Herausgabe der Koleopterologischen Rundschau (gemeinsam mit dem Wiener Coleopterologenverein) zum Ausdruck.

Adelops khevenhülleri aus dem 1. Band der Verhandlungen der ZooBot

Die Ziele der Gesellschaft sind bis heute ähnlich, die Herausforderungen und die Mittel sie zu erreichen haben sich jedoch geändert. Die historischen Tätigkeiten der ZooBot spiegeln sich bis heute in den vielfältigen Aktivitäten wider, die von den Mitgliedern, dem Vorstand und dem wissenschaftlichen Beirat ehrenamtlich betrieben werden, nämlich der Brückenschlag zwischen:

  • den organismisch und molekular orientierten Binnendisziplinen der Biologie
  • den Universitäten und Museen in Lehre und Forschung
  • universitärer und außeruniversitärer Wissenschaft
  • Wissenschaft und Schulen
  • anderen biologischen Gesellschaften und Vereinen

durch:

  • Veranstaltung von naturwissenschaftlichen Vorträgen (in Präsenz, virtuell oder als Hybrid-Veranstaltung), Exkursionen für Mitglieder und Interessierte, Symposien
  • Erhalt und Pflege des Schutzgebiets Zeiserlberg bei Ottenthal, teilweise in ZooBot-Besitz
  • Vernetzung vorwiegend österreichischer, aber auch internationaler Wissenschafter*innen, unterschiedlicher Disziplinen, Institutionen und Laien
  • Publikationen von vereinseigenen Zeitschriften, Mitherausgabe anderer Publikationen
  • Betreiben einer vereinseigenen Bibliothek.


Ein wichtiger Mitbegründer war Georg Frauenfeld, der auch bis 1873 Generalsekretär der Gesellschaft war. Er nahm auch an der Weltumsegelung mit der Novara 1857-1859 teil und publizierte seine Beobachtungen in den Verhandlungen der Gesellschaft.

Georg Frauenfeld

Berühmte deutschsprachige Zoolog:innen und Botaniker:innen wurden in der Vergangenheit mit einer Ehrenmitgliedschaft der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft, und/oder der Erzherzog-Rainer Medaille ausgezeichnet. Die große Mehrheit dieser Personen sind auch heute uneingeschränkt zu würdigen. Bei manchen zeigte sich jedoch, dass sie in der Zeit des Nationalsozialismus Parteimitglieder und / oder Unterstützer des damaligen Regimes und dessen Ideologie – auch im universitären Kontext – waren. Die Zoologisch-Botanische Gesellschaft distanziert sich klar von der nationalsozialistischen Geisteshaltung ehemaliger Mitglieder und Ehrungsträger.

Uns ist bewusst, dass weder unsere Ablehnung jener Ideologie noch eine Aberkennung von Ehrungen die damals gesetzten verbrecherischen Handlungen ungeschehen macht oder gar entschuldigt. Daher haben wir uns entschlossen, diese Personen kenntlich zu machen, sofern ihnen nationalsozialistische Gesinnung bzw. entsprechende Handlungen nachgewiesen werden können. *

Dazu wird eine Gruppe kompetenter ZooBot-Mitglieder unter Einbeziehung von Historiker:innen diesen Aspekt der Geschichte der Gesellschaft transparent aufarbeiten.

JahrZoologieBotanik
1912Theodor BoveryErwin Bauer
1914R.G. HarrisonG.R. Wieland
1921Othenio AbelHans Winkler
1923Karl v. FrischNils H. Nilson
1925Richard HesseFritz Wettstein
1927August ThienemannGunnar Täckholm
1929Erik A. StensioFritz Knoll*
1931D.M.S. WatsonWerner Lüdi
1933Paul BuchnerHeinrich Walter
1935Jürgen W. HarmsLothar Geitler
1937Sven EkmanKarl Schnarf
Preisträger der Erzherzog-Rainer-Medaille.
* Siehe oben und Taschwer (2013)

Publikationen zur Geschichte der ZooBot:

  • Anonymus (1901): Bericht über die Feier des 50jährigen Bestandes der Gesellschaft.
  • Anonymus (1927): Verzeichnis der Institute, Gesellschaften und Zeitschriften, mit welchen die Zoologisch-Botanische Gesellschaft im Schriftentausch steht.
  • Brunner von Wattenwyl C. (1901): A – Geschichte der K.K. Zoologisch-Botanischen Gesellschaft.
  • Gicklhorn (1951): Festschrift zum 100-jährigen Bestehen: 100 Jahre Zoologisch-Botanische Gesellschaft in Wien.
  • Guglia (1976): Rückblick zum 125 jährigen Bestehen: Zum 125jährigen Jubiläum der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft.
  • Hudler & Punz (2003): Der Schriftentausch der Zoologisch- Botanischen Gesellschaft.
  • Hudler & Punz (2006): Die „neuen“ Abhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Österreich (ab 1901).
  • Hudler & Punz (2008): Weltumseglung der k.k. Fregatte Novara 1857–1859 im Spiegel der Veröffentlichungen von Frauenfeld und der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft.
  • Hudler & Punz (2009): Die Bibliothek der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft – eine 158-jährige als moderne wissenschaftliche Spezialbibliothek.
  • Klemun (2001): Die Gründung des „Zoologisch-botanischen Vereins“ 1851- Eine „Kathedrale“ der Naturgeschichte und Biologie in der wissenschaftsorganisatorischen Landschaft der Habsburgermonarchie.
  • Lack (2006): Das Herbar der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Wien.
  • Nemenz (1993): Die Bibliothek der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft
  • Punz (2001): Kurzgefaßter Streifzug durch die Geschichte der Gesellschaft
  • Tschusi zu Schmidhoffen (1871): Die ornithologische Sammlung der k.k. zoolog.-botan. Gesellschaft in Wien (Ihr Entstehen und ihr jetziger Stand).
  • Wendelberger (1970): Aus den Anfängen des Naturschutzes in Niederösterreich: Die frühen Pachtgebiete der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft.
  • Wendelberger (1983): Aus der Gesellschaft: Unsere Bibliothek- Wege und Irrwege einer Bibliothek

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